AuthorHolger Elias

Studien der Journalistik und Kommunikations-Psychologie. War beruflich als Korrespondent und Redakteur bei Nachrichtenagenturen (reuters, cna usw.), für überregionale Tageszeitungen sowie für Rundfunk und Fernsehen tätig. Lebte und arbeitete knapp acht Jahre als EU-Korrespondent in Brüssel. Als Verleger und Publizist gab er knapp 140 Buchtitel heraus.

Die Armut der Reichen

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Warum der Besitzstand in Deutschland keine Zukunftsvision kennt. Von Holger Elias Wenn von Armut die Rede ist, blickt der gesellschaftliche Diskurs reflexhaft nach unten. Zu jenen, deren Konten nicht gedeckt sind, deren Energiezähler gesperrt, deren Kinder morgens ohne Frühstück zur Schule gehen. Doch eine andere Armut, diskreter, wohlparfümiert und schweigsam, wird selten betrachtet: die Armut...

»Ossietzky«: Ramelow und die Dialektik des Verschwindens

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Ein Essay zur politischen Selbstverzwergung der Thüringer Linken von Holger Elias, erschienen in der Zweiwochenschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur “Ossietzky”, Ausgabe Nummer 14/2025. „Bin ich dabei, die Partei zu verlassen – oder verlässt meine Partei gerade mich?“ – Bodo Ramelow, in seinem Tagebucheintrag vom 18. Juni 2025 Von Anfang an war alles eine Frage des Maßstabs. Doch...

Die langen Schatten der Nan-a-Maru

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Im Gewölbe des argentinischen Obersten Gerichtshofs hat ein unscheinbarer Stapel Holzkisten das verdrängte Kapitel der nationalen Geschichte abrupt aufgerissen. Tausende roter Mitgliedsbücher der Deutschen Arbeitsfront legen Zeugnis davon ab, wie tief NS-Strukturen einst ins soziale Gewebe des Landes einsickerten – und wie lange ihr Schatten im offiziellen Archiv unbeachtet blieb. Die brisante...

Nützliche Bürger, unnütze Rechte?

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Wie soziale Teilhabe zur staatlichen Arbeitsreserve verkommt. Ein Essay gegen das Dienstpflichtregime der Ungleichheit. Von Holger Elias Jugendliche in grauer Uniform säubern die Straße einer Villengegend. Die Leere zwischen Müllgreifer und Luxusauto spricht Bände: Wer putzt, gehört nicht dazu. Foto: Infold Es beginnt – wie so oft – mit einem Wort, das harmlos klingen will und doch bereits von...

Die Republik als Renditeobjekt

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Markt im Kopf, Armut im Land. Das Phantom der sozialen Marktwirtschaft. Von Holger Elias Die Aktentasche des Kapitals klappert wieder lauter als die Brotdose des Kindes. Während sich BMW-Aktionäre am Münchner Olympiapark Champagner auf die Dividende gießen, wartet ein paar U-Bahn-Stationen weiter ein Neunjähriger darauf, dass die Suppenküche auf- statt zusperrt. »Sozialstaat«, murmeln die Einen...

Schweitzer: »Kann nicht anders formulieren«

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Ein Mann sitzt in einem Fernsehstudio und weiß nicht, wie ihm geschieht. Er redet, als wolle er nicht gehört werden. Er formuliert, als müssten seine Sätze durch einen Parteitagskompromiss, einen Koalitionsausschuss und ein Veto der CSU gleichzeitig. Er ist Bundesvize der SPD. Sein Name: Alexander Schweitzer. Die Kulisse: »Markus Lanz«, ZDF, 9. Juli 2025. Die Rolle: Statist im Stück über die...

Die kalte Verwaltung (+Cast)

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Es beginnt mit einem Cursor. Blinkt, starrt, wartet. Auf Eingaben, die man nicht versteht. Auf Codes, die man nicht kennt. Auf Pflichtfelder, die sich nicht füllen lassen. Wer heute mit dem Staat kommuniziert, tut dies zunehmend nicht mehr mit einem Menschen, sondern mit einer Maske. Einer Eingabemaske, wohlgemerkt – kein Gesicht, kein Gespräch, keine Empathie. Willkommen im Zeitalter der kalten...

»Ossietzky«: Man schießt nicht auf Richter (+cast)

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Die Grenze ist ein Ort der Entscheidung. Juristisch gesehen markiert sie den Übergang von Zuständigkeiten, politisch jedoch ist sie längst zur Projektionsfläche verkommen – für Ängste, für Machtinszenierungen, für die Behauptung einer Ordnung, die sich in ihrer Darstellung selbst genügt. Im Juni 2025 wurde diese Grenze neu gezogen: nicht in Beton oder Stacheldraht, sondern in der juristischen...

Die Banalisierung des Gehorsams (+cast)

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In der siebten Folge des gesellschaftskritischen Podcasts „Störfrequenz“ begebe ich mich auf eine eindringliche Erkundung eines Phänomens, das im Schatten unserer Selbstbilder gedeiht – dem modernen Gehorsam. Nicht jener, der in martialischen Befehlen oder dröhnenden Parolen daherkommt, sondern dem leisen, organisierten, funktionalen Gehorsam. Der Gehorsam, der nicht als Befehl erkannt wird – und...

Verbrannte Verträge – und Europas gefährliches Schweigen (+Cast)

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Am 30. Juni 2025 veröffentlichte das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) einen Bericht, der eine schallende Ohrfeige für die Selbstwahrnehmung europäischer Außenpolitik darstellt. Der Titel ist nüchtern, der Inhalt eine diplomatische Anklageschrift:„Europe should help repair the damage to non-proliferation and international law from the attacks on Iran“. In sachlicher Sprache...

Schattenjagd – Der Uran-Deal, der keiner war (+cast)

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In der Nacht zum 22. Juni 25 starteten amerikanische Tarnkappenbomber einen koordinierten Angriff auf Irans geheime Nuklearanlagen. Die Welt hielt den Atem an. Doch was blieb, war Staub. Und Zweifel. Kein Uran, keine Beweise, kein Funke der Beruhigung. Statt Klarheit beginnt nun ein geopolitisches Versteckspiel: Wo ist das Uran – wenn es überhaupt jemals da war? Wer profitiert vom Angriff ohne...

Künstlichkeit, Krieg und Kritik

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Teil 1: Wie eine Hochschule in Köln zum politischen Störfall wurde: Eine Zivilklausel als Widerstandsgeste in Zeiten der sicherheitspolitischen Gleichschaltung Es war eine stille Tat mit lauter Wirkung: Am 19. Dezember 2024 beschloss der Senat der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM), in ihre Grundordnung eine Zivilklausel aufzunehmen. Ein Satz, ein Absatz, ein Prinzip: »Die Kunsthochschule für...

Der Ausschluss – Eine Demokratie simuliert sich selbst

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Kaum hatte sich Friedrich Merz beim NATO-Gipfel in Brüssel in die Front der bedingungslos Atlantischen eingefädelt – mit einer Loyalitätsrhetorik, die selbst den notorischen Bücklingen früherer Kanzler Konkurrenz machte –, da wurde im Bundestag zur innenpolitischen Disziplinierung geblasen. Während in Brüssel das Bild einer militärisch einheitlich orchestrierten Außenpolitik gezeichnet wurde, in...

Fünf Prozent für Daddy

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Mark Rutte gibt auf dem NATO-Gipfel den Verteidigungsfürsten im Windschatten von Donald Trump. Seine Reden offenbaren eine Rhetorik der Anpassung, durchsetzt von Euphemismen, devoten Loyalitätsformeln und einem neuen Ton militärischer Selbstverständlichkeit. Eine Analyse des verbalen Schulterschlusses mit Washington – im Namen der Abschreckung. »Daddy«, sagte Rutte. Und meinte Trump. Auf der...

Die Stille nach der Bombe

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Eine Analyse zum amerikanischen Angriff auf Irans Atomanlagen und die Reaktion der Medien von Holger Elias. In der Nacht des 22. Juni 2025 löschten sieben B-2-Tarnkappenbomber das aus, was nach westlicher Lesart als Bedrohung für die Welt galt: Irans Nuklearanlagen in Fordow, Natanz und Isfahan. Das Ziel war »Abschreckung«. Die Mittel: zwei Dutzend 13,6 Tonnen schwere bunkerbrechende Bomben...

Von der Selbsthilfe zur Selbstbedienung?

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Einst als Bollwerke bürgernaher Finanzkultur gefeiert, schmücken sich Volks- und Raiffeisenbanken noch heute mit dem Etikett genossenschaftlicher Gemeinwohlorientierung. Ihre Wurzeln liegen in der Idee der Hilfe zur Selbsthilfe, getragen von Verantwortung, Partizipation und demokratischer Kontrolle. Doch wie tief sitzt dieses Erbe noch im Gebaren heutiger Institute, wenn sie unter dem Mantel...

Merz: Ein Kanzler im Kriegston

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Am 17. Juni 2025 spricht Bundeskanzler Friedrich Merz im ZDF über die Eskalation im Nahen Osten – und benutzt dabei einen Ausdruck, der aufhorchen lässt: Israel mache die »Drecksarbeit« (…) »für uns alle«. In diesem Artikel unterziehe ich die Aussagen des Kanzlers einer Analyse. Es geht nicht nur um Worte, sondern um das Denken dahinter: um sicherheitspolitische Dogmen, moralische Rahmungen...

Dossier: Reichsbürger – nicht nur Spinner

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1. Die Szene in Zahlen – Eskalation in Zeitlupe “Das Personenpotenzial im Phänomenbereich „Reichsbürger und Selbstverwalter“ lag im Jahr 2023 bei rund 23.000 Personen. Davon gelten etwa 2.000 als gewaltorientiert.” Eine Szene, die sich seit Jahren konsolidiert: Obgleich die Zahl gewaltorientierter Personen im Vergleich zur Gesamtmenge gering erscheint, zeigt die Dynamik eine...

Radikale Kontinuitäten

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Die Vorstellung des Verfassungsschutzberichts 2024 wurde medial als “Weckruf” inszeniert – als warnendes Dokument, das mit seinen Zahlen die Republik erschüttern soll. Doch bei genauerer Betrachtung entpuppt sich der rund 400 Seiten starke Bericht nicht nur als Inventar politisch motivierter Straftaten, sondern als Spiegel gesellschaftlicher Verwerfungen – und mehr noch: als...

Die Spirale der Dämonisierung

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Über Sicherheit, Sprache und strukturelle Machtmechanismen in der deutschen Medienlandschaft. Im Juni des Jahres 2025, mitten im Brodeln einer polykrisenhaften Republik, präsentiert das Bundesamt für Verfassungsschutz seinen alljährlichen Bericht. Was früher ein Verwaltungsakt war, ist heute ein dramaturgisch inszenierter Höhepunkt im politischen Kalender – begleitet von Talkshows, Schlagzeilen...

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