Es ist ein grauer Morgen im spätkapitalistischen Berlin, die S-Bahn ist wieder einmal Zeuge der täglichen Entfremdung, in der sich die Massen zwischen Smartphone-Bildschirm und der Hoffnung auf pünktliche Lohnarbeit verlieren, während wir uns einem Dokument widmen, das wie kaum ein zweites die Verwirrung der bürgerlichen Intelligenz illustriert. Ich spreche vom jüngsten Interview des DIW...
Drewermann: Gegen die Logik der Angst
Anlässlich der Friedensdemonstration des Bündnisses »Macht Frieden!« am 14. Februar 2026 in München hat der Theologe Eugen Drewermann eine Rede gehalten, die in der aktuellen politischen Konjunktur als ein radikales Plädoyer gegen Aufrüstung und Gewalt gilt. Zugleich offenbart sie – über ihre unmittelbare Kritik hinaus – strukturelle Spannungen unserer politischen Friedensdiskurse: die Spannung...
Die Anatomie der globalen Erstarrung
Man sagt, die Geschichte wiederhole sich nicht, sie reime sich lediglich – doch im Februar des Jahres 2026 klingt dieser Reim eher wie das metallische Echo einer zufallenden Gefängnistür. Während die glitzernden Fassaden der Tech-Metropolen uns mit dem Versprechen einer „Intelligence Revolution“ blenden, offenbart ein Blick in die Maschinenräume der Macht eine weitaus prosaischere und zugleich...
Kapitalströme, Leichenberge
Während die Finanzmärkte die Annäherung des DAX an die Marke von 25.000 Punkten feiern und Zukunftsstrategen eine »Hyper-Automatisierung« beschwören, die Produktivität und Wohlstand exponentiell steigern soll, lohnt ein nüchterner Blick auf jene Regionen, in denen ökonomische Logik nicht Wachstum, sondern Vernachlässigung produziert. Der 17. Februar 2026 zeigt kein zufälliges Nebeneinander...
Widerstand bleibt einzige Dividende
Während der morgendliche Nebel über den Metropolen des Westens hängt, strömt kein Duft von Freiheit durch die Straßen, sondern der beißende Geruch militarisierter Machtpolitik. Unser Blick auf die Welt lässt sich nicht mehr durch das liberale, multilaterale Vokabular westlicher Leitmedien beruhigen: Hinter diesem rhetorischen Vorhang offenbart sich ein strategischer Wettlauf um Souveränität...
Das Ende der Weltordnung?
In einem Interview mit acTVism Munich (15.02.2026) analysiert der Historiker Peter Kuznick die aktuelle geopolitische Lage unter dem Einfluss der Trump-Administration. Er thematisiert die weitreichenden Verstrickungen der Epstein-Akten in die US-Politik sowie die wachsenden Spannungen mit dem Iran und die Gefahr eines neuen atomaren Wettrüstens. Kuznick kritisiert zudem die Militarisierung...
»Ossietzky«: Wohlstandsrhetorik als Sedativum
Nachfolgender Beitrag erschien in der Zweiwochenschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft »Ossietzky«, Ausgabe 21/2025: Manchmal genügt eine Zahl, um die Zivilisationslüge zu entlarven: Zehn Prozent. So viel Aufmerksamkeit widmen die Leitmedien des Westens den Regionen, in denen 85 Prozent der Menschheit leben. Zehn Prozent Welt, neunzig Prozent Selbstgespräch. Diese Bilanz stammt nicht aus der...
EUR/USD: Langfristig dominiert die Euro-Skepsis
Der Euro ringt mit der Richtung. Nach einer Woche des Stillstands um die Marke von 1,16 US-Dollar steckt das Währungspaar EUR/USD in einem Haltemuster, das viel über die aktuelle Weltlage verrät: Unsicherheit dominiert, die Marktteilnehmer warten auf Signale aus den Zentralbanken. Weder die US-Notenbank Fed noch die Europäische Zentralbank (EZB) haben bislang die Geduld der Anleger erlöst – und...
»Ossietzky«: Im Namen des Volkes – ohne das Volk
Der Beitrag »Im Namen des Volkes – ohne das Volk« erschien in der Ausgabe 20/2025 der Zweiwochenschrift für Politik, Kultur und Wirtschaft »Ossietzky«: Amtsgericht Rudolstadt an einem trüben Vormittag. Der Saal: stickig, holzvertäfelt, schwer von Aktenstaub. Auf der Anklagebank: ein Mann, dem Körperverletzung und Bedrohung vorgeworfen wurden. Er hatte eine Frau attackiert, die einer Mutter mit...
EUR/USD – Vertrauenskrise nach Pariser Turbulenzen?
Die Kalenderwoche 41 war für den Euro von erheblichem Abwärtsdruck geprägt. Das Währungspaar EUR/USD verzeichnete einen Rückgang von rund 1,1 % und erlitt damit den stärksten Wochenverlust seit Juli¹. Der primäre Treiber dieser Entwicklung war eine Zunahme der politischen Unsicherheit in Europa, die das Vertrauen der Anleger in die Gemeinschaftswährung kurzfristig untergrub. Während der US-Dollar...
Studie: Erst kommt das Fressen, dann das Wegsehen
Der Blick aus der bequemen Gegenwart in das tägliche Elend ist selten, und wenn er stattfindet, dann vorzugsweise mit der langen Pinzette der Geopolitik. Ladislaus Ludescher hat dieser Gewohnheit eine gründliche empirische Prüfung verpasst – und die Diagnose fällt verheerend aus. Seine Studie über den Globalen Hunger und die mediale Vernachlässigung des Globalen Südens wertet 39 Medienformate...
»Ossietzky«: Die letzte Kaste: Beamte
Das Essay »Die letzte Kaste: Beamte« erschien in der Zweiwochenschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft »Ossietzky« Nr. 19/2025: Es sind die kleinen Gemeinheiten der politischen Rhetorik, die ein Land entlarven. Wenn in diesen Wochen von »schmerzhaften Einschnitten« die Rede ist, weiß jeder Bürger, dass nicht der Ministerialdirektor gemeint ist, sondern der Rentner, die Alleinerziehende oder der...
»Ossietzky«: Arbeiter, schämt euch!
Das Essay »Arbeiter, schämt euch!« erschien in der Zweiwochenschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft »Ossietzky« Nr. 18/2025. Im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg sitzen sie in Cafés mit fermentiertem Kombucha, sprechen über Achtsamkeit, toxische Männlichkeit und nachhaltige Kinderbekleidung. In Leipzig-Connewitz diskutiert man über die Dekolonisierung des Stadtparks und in Hamburg-Ottensen...
Wenn der Krieg ein Mann ist
Es beginnt, wie so oft, mit einem Satz, der wie beiläufig daherkommt, aber eine ganze Zivilisation beschreibt: »Ein Mann sollte bereit sein, seine Familie mit Gewalt zu verteidigen.« In der neuen Studie von Alexander Yendell (FGZ Leipzig) und David Herbert (Universität Bergen) ist dieser Satz nicht bloß eine Meinungsabfrage, sondern ein Seismograph für die Gewalt im Denken. Über 1.000 Befragte in...
China und Marx: Profit und Zukunft
Der Kapitalismus, so notierte Karl Marx im ersten Band des Kapital, habe »einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere«. Wenn Tumult und Streit Profit brächten, so werde er sie ermutigen. Schmuggel und Sklavenhandel galten Marx als »Beweis«. Wer diesen Satz heute liest, der mag den Kopf schütteln über die Hellsichtigkeit eines Mannes, der vor über...
KI-Agenten: Chance oder Risiko für die Sicherheit der Welt?
Künstliche Intelligenz verspricht enorme Fortschritte – von der Heilung von Krankheiten bis zum Kampf gegen den Klimawandel. Doch sogenannte KI-Agenten, die eigenständig handeln und miteinander interagieren, bergen unkalkulierbare Risiken. Sie könnten manipuliert werden, Fehlentscheidungen treffen oder in sicherheitskritischen Bereichen unkontrollierbare Eskalationen auslösen. Erste Tests zeigen...
Testfall Gera: Bröckelnder Rechtsstaat?
Der Fall des Vizepräsidenten des Verwaltungsgerichts Gera, Dr. Bengt Fuchs, ist mehr als eine regionale Personalie. Er ist ein Brennglas für den Zustand der Justiz in einer Gesellschaft, die sich inmitten wachsender Polarisierung befindet.
New Gaza, alte Reflexe
Warum Trumps Gaza-Plan mehr nach Treuhandverwaltung als nach politischer Lösung aussieht: Er verspricht Abrüstung, Aufbau und »Frieden durch Management«. Doch sein institutionelles Design – ein von Donald Trump geleitetes Aufsichtsgremium, flankiert von Tony Blair – schafft Legitimations-, Rechts- und Umsetzungsrisiken, die größer sind als die Schlagzeilen. Was steht wirklich drin...
Strafantrag: Beihilfe im Namen der Staatsräson?
Ein 110-seitiger Strafantrag gegen Spitzenpolitiker und Rüstungsmanager zwingt Deutschland zu einer unbequemen Frage: Wenn der Staat Waffen liefert, während internationale Gerichte massive Völkerrechtsverletzungen attestieren – wird Außenpolitik zur strafbaren Beihilfe? Die Rechtsanwält:innen Nadija Samour, Yolanda Scheytt, Robert Brockhaus und Benjamin Düsberg haben beim Generalbundesanwalt...
Fußball: Wenn die Kurve regiert
Das neue Ernst-Abbe-Sportfeld sollte ein Symbol für Aufbruch sein: 60 Millionen Euro, eines der modernsten Stadien in den Regionalligen, ein sichtbares Versprechen für sportliche Ambitionen. Stattdessen ist es zum Schauplatz eines internen Machtkampfs geworden, der exemplarisch zeigt, wie sich lokale Fußballvereine in der Regionalliga Nordost von jenen Gruppen instrumentalisieren lassen können...
