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Journalismus von Holger EliasPolitik · Gesellschaft · Kultur · Sport

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Gesellschaft

Musk, Marx und die organisierte Maßlosigkeit

Elon Musk greift nach dem Mond und bündelt auf der Erde wirtschaftliche Macht. Die mögliche Fusion von SpaceX und Tesla wirft eine Frage auf, die weit über Unternehmensbilanzen hinausreicht: Wer entscheidet über unsere Zukunft? Ein Essay über öffentlich finanzierte Privatmacht, politische Abhängigkeit und die Möglichkeiten, demokratische Gegenwehr wirksam zu organisieren.

Wer die Erde besitzt, braucht keinen Fluchtplan. Er braucht zunächst Menschen, die seine Fabriken bauen, seine Programme schreiben, seine Rohstoffe fördern und die Infrastruktur finanzieren, auf der sein Vermögen wächst. Erst danach kann er vom Mond erzählen. Das Bild vom Milliardär, der einen ausgeplünderten Planeten verlässt, trifft eine politische Zumutung: Für die Mehrheit soll Anpassung Pflicht sein, während eine winzige Minderheit die Verfügung über die Zukunft beansprucht.

Damit ist ein persönlicher Fluchtplan Elon Musks natürlich nicht bewiesen. Belegt sind wirtschaftliche Konzentration, politische Einflussnahme und eine Raumfahrtvision, die wissenschaftliche Möglichkeiten mit privaten Geschäftsinteressen verbindet. Genau dieser Zusammenhang verdient die schärfere Kritik. Nicht weil ein Unternehmer Sterne erreichen möchte, sondern weil demokratische Gesellschaften zulassen, dass Einzelne immer größere Teile ihrer materiellen Voraussetzungen kontrollieren.

Die Fusion als politische Frage

Der Anlass ist konkret. SpaceX meldet für das dritte Quartal 2026 rund 14,6 Milliarden Dollar Umsatz und 4,4 Milliarden Nettogewinn. Es handelt sich um Unternehmensangaben in einer bei der US-Börsenaufsicht SEC hinterlegten Mitteilung. Der Umsatz umfasst längst mehr als Raketenstarts: Satellitenkommunikation und das Geschäftsfeld »Super Intelligence« gehören dazu. [1]

Am 20. Oktober erklärte Musk, ein Zusammenschluss von SpaceX und Tesla sei eine gute Idee; beide Unternehmen hätten Sonderausschüsse eingerichtet. Eine Vereinbarung steht aus. Reuters berichtete am 22. Oktober unter Berufung auf informierte Personen von Gesprächen in frühem Stadium und möglichen Schwierigkeiten durch Musks öffentliche Unterstützung des Vorhabens. [2]

Politisch interessant ist schon die Richtung: Energie, Mobilität, Kommunikationsnetze, Rechenleistung und Raumtransport könnten enger unter einem Unternehmensdach zusammenfinden. Das wären keine beliebigen Waren nebeneinander. Es wären Voraussetzungen dafür, dass andere produzieren, kommunizieren und öffentliche Aufgaben erfüllen können. Wer solche Übergänge kontrolliert, verkauft nicht nur Leistungen. Er kann die Bedingungen setzen, unter denen andere sie erhalten.

Dabei ist Größe allein noch kein Beweis missbräuchlicher Macht. Gemeinsame Forschung, abgestimmte Produktion und ein effizienterer Einsatz von Kapital können Vorteile bringen. Aber genau darin steckt der Widerspruch: Was technisch als vernünftige Koordination erscheint, kann gesellschaftlich die Abhängigkeit von einer privaten Entscheidungsstelle vergrößern.

Was Marx zitiert. Und was daraus folgt

Die berühmte Staffel vom vorsichtigen Kapital, das bei wachsenden Profitchancen jedes Wagnis eingeht, stammt von Thomas Joseph Dunning. Marx übernimmt sie in eine Fußnote seiner Untersuchung über die Entstehung des industriellen Kapitalisten. Die Passage ist nicht insgesamt ein Zitat aus dem »Quarterly Review«. Dunning greift dessen Vorstellung vom konfliktscheuen Kapital auf und setzt ihr seine eigene Gegenargumentation entgegen. Marx verweist auf Dunnings Schrift von 1860, Seiten 35 und 36. [3]

Wer Marx ernst nimmt, sollte seine Texte nicht zum Vorrat eindrucksvoller Sprüche verkürzen. Die Profitstaffel ist kein experimentell ermitteltes Gesetz, nach dem bei einem bestimmten Renditesatz automatisch ein Verbrechen folgt. Sie verdichtet die Beobachtung, dass hohe Gewinnerwartungen moralische und rechtliche Schranken unter Druck setzen können. Ob sie durchbrochen werden, muss jeweils nachgewiesen werden.

Der analytische Kern liegt tiefer: Kapital ist bei Marx ein gesellschaftliches Verhältnis. Menschen, die über Produktionsmittel verfügen, können die Arbeitskraft anderer einsetzen und sich den erzeugten Überschuss aneignen. Konkurrenz treibt sie dazu, diesen Überschuss erneut zu investieren und ihre Stellung auszubauen. Die Frage lautet deshalb nicht bloß, ob Musk maßlos ist. Sie lautet, welche Ordnung Maßlosigkeit belohnt und welche Institutionen ihr Grenzen setzen.

Der Unternehmer steht auf öffentlichem Boden

Die Legende vom Einzelnen, der gegen einen hinderlichen Staat die Zukunft erfindet, scheitert bereits an der Vorgeschichte. In ihrer Dokumentation des COTS-Programms beziffert die NASA ihre Zahlungen an SpaceX auf 396 Millionen Dollar. Zugleich nennt sie ungefähr 454 Millionen Dollar private Finanzierung durch das Unternehmen. Öffentliche Unterstützung und privates Risiko wirkten zusammen; keines von beiden sollte aus der Geschichte verschwinden. [4]

2021 vergab die NASA für die Entwicklung einer bemannten Mondlandefähigkeit einen meilensteinabhängigen Festpreisauftrag über 2,89 Milliarden Dollar an SpaceX. Das war ein Auftrag gegen vereinbarte Leistungen, kein Beweis für eine beliebige Geldschenkung. Ebenso wenig lässt sich daraus ableiten, das Unternehmen verdanke seinen Erfolg ausschließlich dem Staat. Wohl aber widerlegt die dokumentierte Zusammenarbeit das Bild einer rein privaten Heldentat. [5]

Daraus entsteht eine politische Forderung: Wenn öffentliche Nachfrage, Wissen und Finanzierung einen Markt mit aufbauen, muss die Öffentlichkeit über dessen Bedingungen mitentscheiden können. Sie darf nicht dauerhaft die Rolle übernehmen, Risiken zu ermöglichen und sich anschließend die daraus entstandene Infrastruktur zu den Bedingungen der Eigentümer zurückzukaufen. Je unverzichtbarer die Leistung wird, desto stärker muss der öffentliche Anspruch auf Kontrolle sein.

Vom Einfluss zur unmittelbaren Mitwirkung

Die Behauptung, wirtschaftliche Nutznießer hätten früher ausschließlich hinter Vorhängen gewirkt, hält historisch ohnehin nicht stand. Schon Marx beschreibt die Verbindung von Handelsmonopolen, kolonialer Gewalt und politischer Herrschaft. Die ostindische Kompanie war kein diskreter Lobbyverein. Wirtschaftliche Macht hat sich also keineswegs erst im digitalen Zeitalter politisch sichtbar gemacht. [3]

Musks politische Nähe zur Trump-Regierung blieb nicht bei Empfehlungen. Bei der öffentlichen Präsentation der DOGE-Personalinitiative am 11. Februar 2025 trat er neben dem Präsidenten auf und erläuterte den Eingriff in den Staatsapparat. Der zugehörige Erlass gab DOGE-Teamleitungen eine Rolle bei der Personalplanung der Behörden. [6]

Auch die Wahlkampffinanzierung besitzt eine materielle Größenordnung. Die Wahlbehörde FEC weist für America PAC im Wahlzyklus 2024 rund 261,5 Millionen Dollar Beiträge aus. Das ist die Gesamtsumme dieses Komitees, nicht automatisch Musks persönliche Spende. Die Zahl zeigt, in welcher finanziellen Dimension ein solches Instrument operiert. [7]

Der Staat ist kein Chauffeur ohne eigenes Ziel

Das Bild der Politik, die den Milliardär chauffiert, benennt Unterordnung. Es verdeckt aber etwas, wenn es alle staatlichen Akteure zu willenlosen Fahrern macht. Regierungen verfolgen eigene Ziele: militärische Fähigkeiten, technologische Konkurrenz, wirtschaftliche Stärke und politische Zustimmung. Sie fördern Unternehmen nicht nur, weil sie getäuscht werden, sondern weil sie deren Fähigkeiten für ihre eigene Machtstrategie benötigen.

Hier entsteht ein Bündnis mit Widersprüchen. Der Staat braucht private Technik, das Unternehmen braucht Aufträge, Genehmigungen und geschützte Eigentumsrechte. Beide können einander unterstützen und unter Druck setzen. Ihre Interessen sind weder identisch noch sauber getrennt. Reuters verweist im Fusionszusammenhang auf die Spannung zwischen SpaceX als US-Sicherheitsauftragnehmer und Teslas bedeutendem China-Geschäft. [8]

Ein solcher Konzern wäre daher keine vom Staat befreite Weltmacht. Er stünde zwischen Staaten, Absatzmärkten, Sicherheitsauflagen und konkurrierenden Kapitalgruppen. Genau das macht die Entwicklung riskant: Öffentliche Politik könnte immer stärker unter dem Vorbehalt stehen, wichtige Unternehmensbeziehungen nicht zu gefährden. Die demokratische Entscheidung erscheint dann als Standortschaden, bevor überhaupt über ihren gesellschaftlichen Nutzen gesprochen wurde.

Die Erde bleibt die Produktionsstätte

Musk kündigte im Februar an, SpaceX wolle vorrangig eine sich selbst weiterentwickelnde Stadt auf dem Mond aufbauen. Seine Zeitvorstellung von weniger als zehn Jahren ist eine unternehmerische Behauptung, kein gesicherter technischer Zeitplan. [9] Sie eignet sich als Zukunftsbild, weil sie Grenzen in Möglichkeiten verwandelt: Wo die Erde Widerstände bietet, soll eine neue Welt beginnen.

Doch auch ein Mondprojekt würde nicht außerhalb der irdischen Gesellschaft entstehen. Es benötigte Wissen, Arbeit, Energie, Material und Finanzierung von hier. Seine politische Erzählung kann diese Abhängigkeit umkehren: Der Zugriff auf heutige Ressourcen erscheint als notwendiges Opfer für eine künftige Menschheit. Wer die Prioritäten kritisiert, steht plötzlich als Feind des Fortschritts da.

Dabei ist Raumfahrt nicht grundsätzlich Verschwendung. Forschung, Erdbeobachtung und Kommunikation besitzen gesellschaftlichen Nutzen. Die Frage ist, wer Zwecke bestimmt und wem Ergebnisse zugutekommen. Sie richtet sich gegen das Privileg, die eigenen Investitionsziele als Schicksal der Menschheit auszugeben. Fortschritt braucht eine öffentliche Begründung, sobald seine Voraussetzungen und Folgen die Öffentlichkeit betreffen.

Wie wenig »digital« mit »immateriell« gleichzusetzen ist, zeigt die Energiefrage. Die IEA erwartet in ihrer zentralen Projektion von 2026, dass der globale Stromverbrauch von Rechenzentren von 485 Terawattstunden 2025 auf rund 950 im Jahr 2030 steigt. Das ist ein Szenario für die gesamte Branche, keine Verbrauchsrechnung für Musk. Effizienzgewinne je Anwendung können mit steigender Gesamtnachfrage zusammenfallen. [10]

Der Himmel ist kein herrenloses Grundstück

Die Expansion ins All beginnt rechtlich nicht bei null. Der Weltraumvertrag untersagt nationale Aneignung des Mondes und anderer Himmelskörper. Er verpflichtet Staaten zur Verantwortung auch für nichtstaatliche Raumfahrt und verlangt Genehmigung und fortlaufende Aufsicht. Eigentum an Raumfahrzeugen ist damit nicht aufgehoben; die Rohstoffnutzung wird durch diese Grundsätze auch nicht in allen Einzelheiten abschließend geklärt. [11]

Daraus lässt sich weder eine fertige sozialistische Weltraumordnung noch die freie Verfügbarkeit für den schnellsten Investor herauslesen. Es lässt sich aber ein Maßstab gewinnen: Technischer Vorsprung schafft keinen politischen Freibrief. Wer zuerst ankommt, erhält dadurch nicht das Recht, Bedingungen für alle anderen festzulegen.

Nötig wären international kontrollierbare Regeln für Zugang, Umweltfolgen, Haftung und die Vermeidung faktischer Ausschlusszonen. Staaten müssten ihre Aufsicht tatsächlich ausüben und wirtschaftliche Interessen ihrer Unternehmen von gemeinsamen Nutzungsrechten unterscheiden. Sonst könnte die formale Absage an territoriales Eigentum mit einer praktischen Kontrolle der entscheidenden Transport- und Versorgungssysteme zusammenfallen.

Gegenwehr beginnt mit organisierter Abhängigkeit

Wer wirtschaftliche Macht demokratisieren will, muss ihre Grundlage erreichen. Empörung über die Person ersetzt keine Organisation derjenigen, deren Arbeit die Unternehmen trägt. Tarifbindung, gewerkschaftlicher Zugang, wirksame Mitbestimmung und Schutz vor Benachteiligung gehören deshalb ins Zentrum einer politischen Antwort.

Der Konflikt bei Tesla in Grünheide zeigt zugleich die Schwierigkeiten. Die IG Metall wurde bei der Betriebsratswahl im März nach eigener Darstellung zweitstärkste Kraft und focht die Wahl am 25. März wegen aus ihrer Sicht unzulässiger Beeinflussung an. Doch wohlgemerkt: Die Vorwürfe sind Position der beteiligten Gewerkschaft und ihre Mitteilung ersetzt kein gerichtliches Urteil. [12]

Die politische Lehre reicht über diesen Streit hinaus. Beschäftigte dürfen nicht zwischen demokratischen Rechten und der Angst vor ausbleibenden Investitionen wählen müssen. Wer eine Region abhängig macht, kann schon mit der Möglichkeit des Rückzugs disziplinieren. Dagegen helfen branchenweite Standards, öffentliche Übergangsfonds und regionale Alternativen besser als die Hoffnung auf das Wohlwollen eines einzelnen Investors.

Produktivitätsgewinne müssen zudem als gesellschaftlicher Verteilungskonflikt behandelt werden. Wenn Automatisierung Arbeit einspart, darf der Gewinn nicht selbstverständlich dem Eigentümer zufallen, während die Sicherung der Freigesetzten öffentlich finanziert wird. Arbeitszeitverkürzung, Qualifizierung und ein verbindlicher Beitrag der Unternehmen zur sozialen Absicherung wären praktische Formen, diesen Widerspruch zu bearbeiten.

Eigentum begrenzen heißt Entscheidungsmacht teilen

Eine zweite Ebene betrifft die Konzentration selbst. Fusionskontrolle müsste mögliche Abschottung zwischen Märkten, den Zugriff auf unverzichtbare Infrastruktur und Interessenkonflikte ernst nehmen. Wo mildere Mittel Abhängigkeiten nicht wirksam begrenzen, muss auch eine strukturelle Trennung zur politischen Option gehören.

Offene Schnittstellen, übertragbare Daten und die Möglichkeit eines Anbieterwechsels verringern Bindungsmacht. Der europäische Digital Markets Act enthält für erfasste Gatekeeper bereits Rechte auf Datenübertragbarkeit. Das ist ein vorhandener Ansatz, keine umfassende Regelung für Musks Unternehmensverbund. Sein allgemeiner Gedanke lässt sich weiterverfolgen: Nutzer und öffentliche Auftraggeber brauchen eine reale Möglichkeit, sich zu lösen. [13]

Wo Wettbewerb wegen hoher Kosten und unverzichtbarer Netze keine hinreichende Kontrolle schafft, sind öffentliche und gemeinwirtschaftliche Träger nötig. Deutschland kennt dafür einen verfassungsrechtlichen Rahmen: Artikel 14 bindet Eigentumsgebrauch an das Allgemeinwohl; Artikel 15 ermöglicht die Vergesellschaftung bestimmter Güter und Produktionsmittel durch ein Gesetz mit Entschädigungsregelung. Das ist kein unmittelbarer Zugriff auf einen US-Konzern, wohl aber eine Absage an die behauptete Unantastbarkeit jeder Eigentumsordnung. [14]

Öffentliches Eigentum allein garantiert allerdings keine Demokratie. Auch ein Staatsbetrieb kann Beschäftigte übergehen, Ausgaben verbergen oder militärische Prioritäten verfolgen. Gemeinwirtschaft müsste deshalb Mitentscheidung von Belegschaften und Nutzern, transparente Haushalte und überprüfbare Ziele verbinden. Der Austausch eines privaten Chefs gegen einen unkontrollierten staatlichen Apparat wäre keine ausreichende Emanzipation.

Kein europäischer Musk als Ersatz

Europa kann Abhängigkeit nicht überwinden, indem es lediglich einen eigenen Milliardär mit denselben Vollmachten ausstattet. Das Satellitenprogramm IRIS² zeigt, dass öffentliche Alternativen politisch organisierbar sind. Die ESA bezifferte den vorgesehenen Finanzrahmen 2024 auf 10,6 Milliarden Euro, davon 6,5 Milliarden öffentlich. Es handelt sich um ein öffentlich-privates Vorhaben, nicht um ein rein öffentliches Netz. [15]

Gerade deshalb muss über die Vertragsbedingungen gestritten werden: Wer kontrolliert Zugang und Preise? Welche Fähigkeiten bleiben öffentlich? Wie wird verhindert, dass öffentliche Finanzierung lediglich einen anderen privaten Engpass schafft? Europäische Herkunft ist kein Ersatz für demokratische Verfügung. Souveränität müsste die Handlungsfähigkeit der Gesellschaft erhöhen, nicht nur den Marktanteil ihrer Konzerne.

Große Vermögen und Erträge müssen zur Finanzierung der gemeinsamen Infrastruktur beitragen. Politische Finanzierung braucht wirksame Grenzen und Transparenz. Vermögen darf kein zusätzliches Stimmrecht erwerben.

Die Grenze muss auf der Erde gezogen werden

Die stärkste Erwiderung lautet, solche Eingriffe könnten Innovation behindern. Dieses Risiko ist ernst zu nehmen. Öffentliche Institutionen können langsam, fehleranfällig und bequem werden. Neue Technik benötigt Spielräume und die Bereitschaft zu scheitern. Aber daraus folgt kein Anspruch auf unkontrollierte Macht. Forschung lässt sich fördern, ohne politische Unterordnung als Geschäftsbedingung zu akzeptieren.

Die Zuspitzung »Die Erde ausrauben, dann auf den Mond verschwinden« benennt damit vor allem eine irdische Klassenfrage. Einige dürfen ihre Zukunft als grenzenlose Expansion entwerfen; andere sollen die Kosten als Sachzwang hinnehmen. Dagegen hilft kein Verbot des Träumens. Es braucht die organisierte Macht, über Ressourcen, Arbeit und Investitionen gemeinsam zu entscheiden.

Marx’ Aktualität besteht nicht darin, jede neue Rakete vorausgesehen zu haben. Sie besteht in der Frage, wer über die gesellschaftlichen Mittel verfügt und welche Herrschaft daraus entsteht. Gesellschaften müssen den Himmel nicht fürchten. Sie müssen verhindern, dass ihnen auf der Erde die Entscheidung darüber genommen wird, wofür ihre gemeinsame Arbeit eingesetzt wird.

Quellen:

  1. SpaceX: SpaceX Reports Third Quarter 2026 Results, 20.10.2026, SEC-Anlage EX-99.1. Fundstellen: »Third Quarter Financial Highlights«, Segmenttabellen. 14,575 Milliarden Dollar Umsatz und 4,4 Milliarden Nettogewinn; Quartal bis 30.09.2026. Original bei SEC.
  2. Reuters: Musk says SpaceX-Tesla merger is ‘a good idea’ as companies form deal committees, 20.10.2026; und Musk’s public endorsement of SpaceX-Tesla deal may throw a wrench in talks, 22.10.2026. Fundstellen: Ausschüsse, frühes Verhandlungsstadium, Governance-Bedenken. Meldung vom 20.10., Meldung vom 22.10., frei zugängliche Reuters-Übernahme.
  3. Karl Marx: Das Kapital, Band I, Kapitel 24, Abschnitt 6, »Genesis des industriellen Kapitalisten«, MEW 23, S. 779–788, insbesondere S. 788 und Fußnote 250. Englische Ausgabe mit abweichender Kapitelzählung: Kapitel 31, Fußnote 15. Öffentlich zugänglicher Volltext. Dort nachgewiesen: T. J. Dunning, Trades’ Unions and Strikes: Their Philosophy and Intention, London 1860, S. 35–36.
  4. NASA: Commercial Orbital Transportation Services: A New Era in Spaceflight, NASA SP-2014-617, 2014. Fundstelle: SpaceX-Kapitel, Finanzierung, Passage »While the COTS office distributed a total of $396 million«. Original-PDF. Die ungefähr 454 Millionen Dollar privater Finanzierung beziehen sich auf das beschriebene Programm, nicht sämtliche SpaceX-Entwicklungskosten.
  5. NASA: As Artemis Moves Forward, NASA Picks SpaceX to Land Next Americans on Moon, 16.04.2021. Fundstelle: Festpreis, Meilensteine und Auftragswert. Originalmitteilung.
  6. US-Präsidentschaft: Executive Order 14210, 11.02.2025, insbesondere Sec. 3(a)(i); dazu öffentliches Gespräch bei der Unterzeichnung am selben Tag. Amtlicher Erlass, Transkript beim American Presidency Project.
  7. Federal Election Commission: America PAC, Committee C00879510, Zyklus 2024. Fundstelle: »Financial summary«, Beitragszeitraum 01.04.–31.12.2024, »Total contributions«: 261.527.030,67 Dollar. Amtliches Register.
  8. Joe Brock/Reuters: Why would Musk merge SpaceX and Tesla?, 21.10.2026. Fundstellen: »Why would Musk do this?« und »What are the downside risks?«. Frei zugängliche Reuters-Übernahme.
  9. Reuters: SpaceX prioritizes lunar ‘self-growing city’ over Mars project, Musk says, Äußerung vom 08.02., Bericht 08./09.02.2026. Reuters.
  10. IEA: Key Questions on Energy and AI, 2026, Executive Summary, Abschnitt »Our updated data centre electricity demand outlook«. Originalzusammenfassung. 485 TWh beziehen sich auf 2025, rund 950 TWh auf die zentrale Projektion 2030; sämtliche Rechenzentren, nicht allein KI oder Musks Firmen.
  11. Weltraumvertrag: Treaty on Principles Governing the Activities of States in the Exploration and Use of Outer Space, including the Moon and Other Celestial Bodies, 1967, Artikel II, VI, VIII und IX. Vertragstext beim Avalon Project, Yale Law School.
  12. IG Metall: IG Metall zum Ergebnis der Betriebsratswahlen bei Tesla, 04.03.2026; IG Metall ficht Betriebsratswahl bei Tesla an, 25.03.2026. Wahlergebnis aus Gewerkschaftssicht, Anfechtungsmitteilung.
  13. Europäische Kommission: End user data portability, Erläuterung zu Artikel 6(9) DMA, laufende Informationsseite. Original.
  14. Grundgesetz: Artikel 14 und 15, amtlicher aktueller Volltext. Artikel 14, Artikel 15.
  15. ESA: ESA confirms kick-start of IRIS² with European Commission and SpaceRISE, 16.12.2024. Fundstellen: Budget und öffentliche Mittel, Konzession, Beteiligte. Originalmitteilung.